Berichterstattung

Journal Frankfurt 02/18

Starthilfe für Künstler

Der Frankfurter Verein für Künstlerhilfe e.V. unterstützt junge Künstler beim Start in die Unabhängigkeit – und das nun schon seit mehr als 30 Jahren.

Künstler zu sein ist das eine, von seiner Kunst leben zu können das andere und bedeutet oftmals einen entbehrungsreichen Weg. Damit der Schritt in den Kunstmarkt für junge Künstler nach dem Studium etwas einfacher wird, unterstützt sie der Frankfurter Verein der Künstlerhilfe e.V. jedes Jahr mit Förderpreisen und Ateliers. „Bereits 1981 wurde die Frankfurter Künstlerhilfe gegründet“, betont Vorstand Harald Meyer. Der Hebel dafür wurde auf der im selben Jahr stattfindenden Gründungsfeier des Lions Clubs Frankfurt-Mainmetropole in der Alten Oper angesetzt, in deren Rahmen dem Verein ein Startkapital von über 100 000 Mark zugesagt wurde. „Seit diesem Zeitpunkt unterstützen wir Künstler, die an der Städelschule Frankfurt oder an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach studiert haben“, ergänzt Meyer. „Wir heißen ja auch Frankfurter Künstlerhilfe“, fügt Mit-Vorstand Guido Hettinger hinzu und  verweist auf die regionale Verankerung des Vereins. „Da liegt es natürlich nahe, dass sich der Verein auf die Frankfurter Institutionen und ihre Künstler konzentriert.“ Wurden anfangs auch noch Schriftsteller und Musiker unterstützt, konzentriert sich die Künstlerhilfe in ihrer Fördertätigkeit seit etwa zehn Jahren ausschließlich auf die Bildende Kunst. 

„Die ist uns besonders wichtig, denn jedes Jahr beendet eine bestimmte Anzahl von Studenten ihr Studium an der Städelschule und der HfG und muss im realen Leben ihr Künstlerdasein bestreiten“, sagt Meyer. Genau an dieser Schwelle setzt die Künstlerhilfe an und unterstützt die Absolventen für ein Jahr, um den Weg in die Selbständigkeit zu erleichtern. Die jährlich zu fördernden Künstler erhalten im Moment ein Preisgeld von 6 000 Euro, wobei die Auswahl der Künstler dem Kuratorium der Künstlerhilfe, das sich aus sieben Repräsentanten der  bedeutendsten Frankfurter Kunstinstitutionen zusammensetzt, obliegt. Dafür trifft sich das Kuratorium einmal im Jahr, um über die vorgeschlagenen Künstler zu diskutieren und eine einstimmige Entscheidung zu treffen, ansonsten kann die Förderung nicht vergeben werden. Finanziert werden die Förderungen der Künstlerhilfe sowohl durch private als auch durch institutionelle Spender und durch die 76 Mitglieder des Vereins. Große Unterstützung erfährt die Frankfurter Künstlerhilfe zudem durch die Stadt Frankfurt, die dem Verein in der Naxoshalle eigene Räume für Veranstaltungen und die Jour fixes sowie drei Künstlerateliers kostenlos zur Verfügung stellen. „Für die Ateliers können sich Künstler bewerben, die vorher vom Kuratorium angesprochen wurden“, Karin Thoma ergänzt und Meyer sagt: „Die Professoren aus der HfG Offenbach und der Städelschule, die unserem Kuratorium angehören, wissen,  wo Arbeitsräume fehlen und ermutigen die Künstler, sich um einen Atelierplatz bei uns zu bewerben.“ Allerdings werden die Ateliers alle zwei bis fünf Jahre neu besetzt. „Der natürliche Weg ist ja, dass die Künstler nach dieser Phase dann in ihrer künstlerischen Entwicklung weitergekommen sind“, sagt Andreas Bee, der davon ausgeht, dass sich nach dieser Zeit die Künstler etwas Eigenes aufgebaut haben. „Denn die Förderung stellt nur einen kleinen Anschub auf dem künstlerischen Weg dar.“ 

Doch auch danach bleiben die Kuratoren, der Vorstand und die Mitglieder weiter in enger Verbindung zu den insgesamt etwa dreihundert geförderten Künstlern der vergangenen Jahre. In dieser Tradition lädt der Verein alle zwei Jahre zu einer großen Feier ein, die mittlerweile zu einer Frankfurter Institution avancierte, um die Preisträger aus den beiden Vorjahren zu ehren. „Zu einer geschätzten Tradition wird hoffentlich auch unsere Kunstauktion mit Werken unserer Preisträger werden, die im Januar im Frankfurter Kunstverein bereits zum zweiten Mal stattfand“, hofft Meyer. Für diese Auktion bat der Verein die Preisträger der letzten Jahre Werke zur Verfügung zu stellen, deren Erlöse wiederum in die Förderung zukünftiger Preisträger einfließen wird. Ein schönes Geben und Nehmen, denn so werden geförderte Künstler wiederum zu Förderern. Neben der Vergabe von Förderpreisen unterstützt die Frankfurter Künstlerhilfe auch mit Zuschüssen bei der Finanzierung von Katalogen und Ausstellungen und hilft bei der Vermittlung von Kontakten, bis die Künstler aus eigener Kraft ihr Werk fortsetzen können. „Immer wenn ein Bedürfnis oder eine Notsituation vorhanden ist, greifen wir unterstützend unter die Arme“, bringt es Andreas Bee auf den Punkt.

 

Beitrag aus dem Journal Frankfurt, Ausgabe 02/18
Interview: Anett Göthe
Foto: Harald Schröder